Pille und Co.


Historisches zur Pille

Die Anti-Baby-Pille – kurz die „Pille“ genannt – wurde vom Chemiker Carl Djerassi und den Pharmakologen Gregory Pincus und John Rock in den USA entwickelt. 1951 meldete der aus Wien in die USA emigrierte Djerassi einen Abkömmling des weiblichen Geschlechtshormons Progesteron in den USA als Verhütungsmittel zum Patent an. Im Jahr 1960 kam dann die erste Anti-Baby-Pille unter dem Namen „Envoyé“ auf den amerikanischen Markt; ein Jahr später verkaufte die Berliner Schering AG die Pille „Anovlar“ erstmals in Deutschland. Die Pille war zu Beginn in Deutschland moralisch sehr umstritten und wurde zunächst nur verheirateten Frauen verschrieben.
Heute ist sie das von Frauen in Industriegenerationen am häufigsten verwendete Verhütungsmittel. Dennoch wissen viele Frauen über die Funktionsweisen der Pille und die Gesundheitsrisiken dieses Medikaments kaum Bescheid.

 

Wirkungsweisen der Pille

Die Pille ist ein Kontrazeptivum (Empfängnisverhütungsmittel). Hormonelle Kontrazeptiva sollen eine Schwangerschaft verhindern, indem sie durch künstliches Östrogen und Gestagen die natürlichen Abläufe im weiblichen Körper unterbinden.

In erster Linie verhindert die Pille den Eibläschenspruch. Eine Befruchtung der Eizelle ist dann nicht möglich, und es kann kein Kind empfangen werden. Man spricht von (a) empfängnisverhütender Wirkung.

Die Pille kann aber auch erst nach der Empfängnis wirken, also zu einem Zeitpunkt, wo schon ein neuer Mensch entstanden ist. Der Embryo wird daran gehindert, sich in der Gebärmutter einzunisten und stirbt. Man spricht von (b) einnistungsverhindernder (nidationshemmender) Wirkung.

 

Es gibt vier Möglichkeiten, wie die Pille eine Schwangerschaft verhindern soll

(a) Empfängnisverhütende Wirkung

1 Verhinderung des Eibläschensprungs (Ovulationshemmung)
Die erste Wirkung der Pille besteht in der Unterdrückung des Eibläschensprungs. Weil der Zyklus vom Gehirn aus gesteuert wird, muss die Pille direkt auf das Gehirn, genau genommen auf die Hypophyse, einwirken. Die künstlichen Östrogene und Gestagene gelangen über den Blutkreislauf in die Hypophyse. Dort sollen sie die Freisetzung von Hormonen hemmen, die die Reifung von Eibläschen und den Eibläschensprung bewirken. Findet kein Eibläschensprung statt, gibt es keine befruchtungsfähige Eizelle, und eine Schwangerschaft wird unmöglich. Versagt diese Wirkungsweise und kommt es trotzdem zu einem Eibläschensprung, was bei Pillen mit niedriger Hormondosis öfter vorkommt, spricht man von einer „Durchbruchsovulation“.

2 Verdickung des Zervixschleims
Weiters bewirkt die Pille – konkret das Hormon Gestagen – eine Verengung des Muttermundes (Portio) und eine Verdickung des Zervixschleimes (Gebärmutterhalsschleims). Beides soll die Samenzellen am Aufstieg in die Gebärmutterhöhle hindern.

 

(b) Einnistungsverhinderung (frühabtreibende Wirkung)

Es kann also trotz Pille ein Eibläschensprung stattfinden. Falls es zu einer Befruchtung der Eizelle kommt, hat der neu entstandene Mensch jedoch nur wenig Überlebenschancen:

3 Störung des Embryo-Transportes (Tubenfaktor)

Die wellenförmigen Bewegungen des Eileiters, die den Embryo in die Gebärmutter befördern sollen, sind durch die Pille so blockiert, dass der Transport gestört wird. Meist stirbt der kleine Mensch, weil er die Gebärmutter nicht rechtzeitig erreicht.

4 Verhinderung der Einnistung (Nidationshemmung)

Wenn der Embryo die Gebärmutter dennoch erreicht, so fehlt ihm dort die Schleimhaut, die für eine Einnistung (Nidation) nötig ist, weil die Pille den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verringert.Dass weniger Gebärmutterschleimhaut durch die Pille aufgebaut wird, kann die Frau and der schwächeren Blutung erkennen. So kann die Hemmung der Einnistung des Embryos für die Pillenanwenderin sogar sichtbar werden. Der Körper ist auf eine Schwangerschaft nicht vorbereitet und stößt das Kind ab.

Wie oft kommt es durch die Pille zum Sterben des Kindes?

Mediziner haben versucht, das Verhältnis von empfängnisverhütender und einnistungshemmender Wirkung der Pille in Zahlen auszudrücken. Dr. Walter Rella geht in seiner Studie über orale Kontrazeptiva davon aus, dass die Kombinationspille (Östrogen- und gestagenhaltige Pille) zu 98% empfängnisverhütend und zu 2% einnistungshemmend wirkt.
Noch stärker ausgeprägt ist die nidationshemmende Wirkung bei der Minipille, die nur in 14-40% laut Fachinformation ovulationshemmend (=eibläschensprunghemmend) ist und sonst über andere Mechanismen wirkt (laut Dr. Rella zu 10% über Einnistungshemmung). Dadurch kommt es hier häufiger zur Durchbruchsovulationen als bei der Kombinationspille. Eine andere Minipille hingegen wirkt laut Fachinformation überwiegend ovulationshemmend, vergleichbar mit den üblichen Kombinationspillen (also auch nicht 100%).

Nach Absetzen der Pille (etwa bei Kinderwunsch) kann die nidationshemmende Wirkung noch längere Zeit anhalten. In den Eierstöcken reifen zwar wieder Eibläschen heran und auch die Zervixbarriere wird aufgehoben, es kann aber drei bis neun Monate dauern, bis die Gebärmutterschleimhaut während des Zyklus wieder ausreichend aufgebaut wird, um einem Kind die Einnistung zu ermöglichen.

Rella, Walter (1994): Die Wirkungsweise oraler Kontrazeption und die Bedeutung ihres nidationshemmenden Effektes. Eine wissenschaftliche Schriftenreihe des Institutes für medizinische Anthropologie und Bioethik, Wien.

 

 

 

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